Slow Work Kreativwerkstatt



 


WERKSTATT
Lehmbau: Backofen & afrikanisches Haus

mit Bernhard Gruber

Wir bauen einen Brotbackofen

Seit Urzeiten versucht der Mensch sich das Feuer nutzbar zu machen, es geht primär nicht nur darum die Wärmequelle zu entfachen, sondern auch Energie zu sparen und zu speichern. Ein sehr schönes Beispiel dafür ist der Kachelofen, der die Abwärme des Feuers speichert und langsam an den Wohnraum abgibt und so für ein behagliches Wohnklima sorgt. Dieses System versuchen wir mit einem einfachen und sehr praktischen Brotback­ofen aus Lehm zu veranschaulichen. Der Ofen kann mehrfach verwendet werden, mit der kurz anhaltenden Hitze am Anfang kann man Pizzen backen, anschließend schiebt man Brot ein, welches eine lang anhaltende, kontinuierliche Wärme braucht. Die Restwärme nützt man noch zum Trocknen von Früchten.
Einen solchen Lehmbackofen kann man verschieden bauen, mit einem Geflecht aus Wei­den, das mit einem Lehm-Sand-Stroh-Gemisch überzogen wird. Einfacher hingegen ist es eine Form aus feinem Sand, welche nach Fertigstellung zerstört wird, mit einem Lehm-Sand-Stroh-Gemisch zu überziehen. Für eine optimale Wärmespeicherung braucht man eine Wandstärke von 20 cm. Je nach Witterung kann man schon einen Tag später den Sand vorsichtig aus dem Ofen räumen. Der Ofen schrumpft, da er die Feuchtigkeit verliert. Ist der Ofen leer, heizt man ihn leicht vor, schön langsam mit kleiner Flamme. Dieses Vor­heizen kann man mehrmals wiederholen, nach ein paar Tagen ist der Ofen gebrauchsfertig.

Interkultureller Brückenschlag

In einem gemeinsamen Workshop soll nach dem Vorbild der Behausung der Dinka, einem der größten Stämme der Oberen Nilregion im Südsudan, ein einfacher Rundbau entstehen. Das einfache Haus wird wie im Südsudan aus natürlichen Baustoffen der nahen Umgebung hergestellt. Ein Grundgerüst aus rohen, unbearbeiteten Holzstangen wird mit einem Gemisch aus Lehm - Sand - Stroh von innen nach außen verschmiert. Die einfache Dachkonstruktion wird mit Strohbündeln eingedeckt. Das Eingangsportal wird mit Kohlenstaub bemalt.
Diese traditionelle Bauform ist noch heute am weißen Nil zu finden. Durch Rück­sie­de­lungs­aktionen im Bürgerkriegsland Sudan werden jetzt nach über 25 Jahren Bürgerkrieg die alten Dörfer von ihren Bewohnern mit einfachsten Mitteln neu aufgebaut. Der Permakultur-Designer Bernhard Gruber begleitete im Zeitraum Jänner/Feber 09 die Pro­jekt­reise des Vereins MiakWadang nach Khartoum, Melut und ins Dorf Nyeyok. Ziel der Projektreise war es, auf das Geschick der Menschen einzugehen und mit einfach möglichen Mitteln eine nachhaltige Verbesserung der Ernährungs- und Lebenssituation der Men­schen in der Oberen Nilregion zu gewährleisten.
Dieser Bauworkshop soll ein Brückenschlag von der Nordhalbkugel zur Südhalbkugel und auch von der blauen Donau zum weißen Nil sein und auf die Situation dieser Menschen aufmerksam machen. - Ein Land in dem die Unterschiede zwischen Arm und Reich nicht größer sein könnten. - Ein Land wo Straßen von Erdölfeld zu Erdölfeld und nicht von Dorf zu Dorf errichtet werden. - Ein Land wo Schule unter Bäumen abgehalten wird. - Ein Land wo politische Gegner über Nacht verschwinden. - Ein Land in welchem man für seinen Glauben verfolgt wird.

BERNHARD GRUBER

aus Neuhofen an der Krems, aufgewachsen auf der Kleinstlandwirtschaft der Eltern in Wels, welche seit Anfang der 1990er Jahre nach den Prinzipien der Permakul­tur bewirtschaftet wird. Nach allgemeiner Schulpflicht, Ausbildung an der Fachschule für Getreidewirtschaft (1986 bis 1989) zum Lebensmitteltechnologen, im Anschluss technische Ausbildung (1989 bis 1993) und nebenbei Abendschule für Werbedesign (1991 bis 1993). Seither tätig als Konstrukteur, Planer und Werbedesigner. Juli 2005 Internationales Permakultur Zertifikat


Brotbackofen


Backofen


Afrikanisches Haus


So wird der Ofen geformt


Bernhard Gruber