Slow Work Kreativwerkstatt



 


WERKSTATT
Drechseln • Erlebnis Rotation

mit Paul Stemberger


Drechseln, als gleichermaßen technisches wie meditatives Mittel die Drehung eines Körpers um eine Achse zu erleben und besser zu verstehen, ist Inhalt dieses kommunikationsreichen Seminars. Gemeinsam wird erörtert und in rotationssymmetrische Werkstücke umgesetzt, was und wie aus Holz mit einer uralten und im Grunde „primitiven“ Bearbeitungstechnik mit heutigen Mitteln alles entstehen kann –und man wird staunen!

Vorwort

Da hat einer doch tatsächlich den Mut gehabt mit SLOW WORK dem Konzept Sommerakademie einen neuen und ganz wesentlichen Hauptaspekt zu geben: Einen zeitlichen und ideologischen Rahmen, der es erlauben wird, die vielseitigen und interessanten Schwerpunkte der gesamten Veranstaltung in einem befruchtenden Zusammenspiel abzuhalten, die Nase auch bei den Nachbarn reinzustrecken, sich intensiv mit dem eigentlichen Kursus auseinanderzusetzen, intensiv Kaffee zu trinken, oder Wasser, sich intensiv zu unterhalten, oder bei entsprechendem Befinden eben auch extensiv. – Sehr Sympathisch!!! Danke Gottfried!

Über den Kurs(beg)leiter / PAUL STEMBERGER / mich

Schön, dass Sie sich für unsere Veranstaltung interessieren und hier lesen. Ich stelle mich also kurz vor…
Mit meiner Frau (und unserem Sohn) lebe ich als freischaffender Künstler seit gut drei Jahren in Yspertal im südlichen Waldviertel. Schon beinahe zwanzig Jahre ist es her, dass meine hölzerne Karriere ihren Anfang nahm. Aus dem anfänglichen Hobby – Schmuck aus heimischem Holz – wurde schnell eine ausgewachsene Leidenschaft. Mit der Teilname an Kunsthandwerksmärkten und Ausstellungen, unter anderem am Spittelberg, Heiligenkreuzerhof, Karlsplatz, auf Schloß Grafenegg, Schloß Weitra, usw., usw., wurde aus der Leidenschaft ein Nebenberuf, und schließlich ein Beruf. Vor gut zehn Jahren gesellte sich zur Herstellung von Schmuck dann auch die Drechslerei als eine fantastische Möglichkeit, die verschiedensten Charaktere unserer wundervollen heimischen Hölzer in Einklang mit Form und bei Bedarf auch mit Funktion zu bringen.
Mit unserem Umzug auf´s Land eröffnete sich dann auch noch die lang herbeigesehnte Möglichkeit, meine nach Jahren intensiver Auseinandersetzung mit der Materie angesammelten Fähigkeiten weiterzugeben. Das Abhalten zahlreicher Kurse in meinem hauseigenen Atelier in den letzten beiden Jahren, bei denen sich viele der Teilnehmer als „Wiederholungstäter“ zu weiteren Kursen anmeldeten, oder sich der Kontakt sonst wie hielt, konnte ich auch dahingehend reichlich Erfahrung sammeln. Also ich freue mich schon auf eine gelungene Woche in Aschach!

Warum „Erlebnis Rotation, warum nicht einfach „Drechselkurs“?

Eine Erläuterung des Titels für Interessierte
Meine bisherigen Kurse beschränkten sich weitgehend auf die Technik des Drechselns, die Maschinen-, Werkzeug- und Materialkunde. Bei einem Zweieinhalbtage-Kurs ist das auch durchaus sinnvoll. Nun bietet sich mir und wenn sie möchten uns dank der Initiative meines langjährigen Ausstellungskollegen Gottfried Schmuck in Aschach die Gelegenheit, mit mehr Zeit und Muße tiefer in den bestehenden Bezug zwischen Technik, Kunst und Philosophie einzutauchen. Auch soll den verborgenen metaphorischen und physischen Parallelen zwischen diesem rotationssymmetrischen Zerspanungsverfahren und den technischen sowie geistigen Belangen unseres alltäglichen Lebens Beachtung zukommen.

Zu den Fakten von „Erlebnis Rotation“…

…denn auch die soll es geben! – zumindest einen Vorschlag für unseren „spannenden“ Plan

Theoretischer Inhalt:

• Maschinen und Werkzeugkunde
• Materialien zum drechseln / Phänomen Schwindung
• Spanntechnik
• Geeignete Schleifmittel
• Sinn und Unsinn diverser Oberflächenbehandlungen

Meine Aufgabe wird es sein, immer mit allen Sinnen zu erkennen, wer welche Art von Hilfe, Unterstützung oder Rat braucht, aber auch – und das ist eben so wesentlich für unser Gelingen – wer nicht, wer also gerade in sein Element vertieft ist und nichts als die nötige Ruhe braucht

MONTAG

Nachmittag: Man lernt einander und auch die Maschinen kennen, bietet einander das Du-Wort an usw. Ich plaudere über die Möglichkeiten des Drechselns, die sich zu verletzen und die, es zu vermeiden (das Verletzen, nicht das Drechseln). Wir setzen uns zusammen und besprechen, wer Anfänger ist und wer erfahren, wer in diesem Kurs was erreichen will, vielleicht auch warum, auch was für jeden einzelnen jeweils ein sinnvoll gewähltes erstes Stück sein könnte. Ich demonstriere und Ihr bekommt Gusto zu drechseln. Jede(r) an seiner/Ihrer Maschine, erfolgen die ersten Schritte und Schnitte. Dein erstes Stück entsteht. Und wer Lust hat legt noch eines drauf. Ausklingen: Wer fertig ist oder genug für heute hat, ist eingeladen, einen Plan für die Objekte unseres morgigen Drechseltages zu schmieden.

DIENSTAG

Vormittag: Zwischen Maschine und Pause wechselnd, wollen wir ein Schrittchen weiter gehen – SLOW WORK eben! Welches Drechseleisen ist zu wählen, in Welchem Winkel und mit welchem Druck kommt es an das Werkstück,… Von den ersten Erfahrungen gestärkt, manifestiert sich langsam aber zusehends das Gefühl für den richtigen Schnitt im rotierenden Holz. Auch bedächtiges Arbeiten macht hungrig…
Nachmittag: In diesem Stil geht es weiter: Wer ein Stück fertig gestellt oder vernudelt hat, plant mit die nächste Herausforderung, sammelt, wie auch immer, Kraft und Ruhe und packt es wieder an. Pausen sind wichtig, besonders bei einer Tätigkeit, die so viel Konzentration erfordert.

MITTWOCH

Vormittag: Vielleicht geschwächt von einem langen Abend, sicherlich aber bestärkt von den Erfolgen der letzten Tage und vom Frühstück gelingt es nun zunehmend, die Kurve des eigenen Schnittes zu genießen und Form zu geben. Die jedem ureigenen Fähigkeit zu gestalten ent-wickelt sich an der Drechselbank rasant. Mahlzeit!
Nachmittag: Exkurs! Auf in den Wald, denn dort steht unser Ausgangsmaterial. Der dritte Tag ist immer eine Hürde. Wir meistern sie indem wir uns bei einem Spatziergang schlau machen, wie der Baum auf die Maschine kommt, welche Bäume geeignet sind, und was es zu beachten gilt. Wieder im Basislager angekommen gibt es noch einen Vortrag meinerseits zum Thema Trocknung – ein interessantes, umfangreiches und wichtiges Gebiet.

DONNERSTAG

Vormittag: Ein ganzer Tag, für das finale Stück! Heute werden wir uns in aller Ruhe selbst übertreffen. Es geht um die richtige Einschätzung des eigenen Könnens und die ausgewogene Verbindung mit dem Wollen. Soll die Krönung ganz aus eigener Hand stammen, oder wird sie ein Spiegel unserer Zusammenarbeit werden? Die Entscheidung liegt bei Dir. – Und schon schnurren wieder die Motore. Im Arbeitseifer übersehen alle bis auf mich, dass Essenszeit ist. Trotz allgemein fortgeschrittenen drechslerischen Könnens, ist meine Anwesenheit also immer noch sinnvoll.
Nachmittag: Nun ist es so weit, die Prachtstücke werden, eines nach dem anderen fertig. Stolz macht sich breit. Zwar müssten die Exponate noch eingelassen werden, doch da knallen auch schon die ersten Sektkorken. Noch während der letzten Fertigstellungsarbeiten, in einer Mischung aus großer Zufriedenheit über das Vollbrachte und tiefer Trauer über das Ende des Kurses, löst sich der letzte Rest einer eigentlich nie da gewesenen Spannung. Ausgelassener als je zuvor wird da geplaudert, diskutiert und gefeiert. Der Abend bricht herein, Alkohol und Autan fließen in Strömen, doch die Nacht ist noch jung. Autofahren werde ich heute dann wohl nicht mehr. Feierabend heißt den Abend feiern und das kann dauern.


Paul Stemberger


Drechseln bei Paul Stemberger


Paul Stemberger


Drechseln bei Paul Stemberger


Paul Stemberger


Paul Stemberger


Paul Stemberger


Paul Stemberger


Paul Stemberger